
Selten, wahrscheinlich noch nie hat das Schicksal eines einzelnen Wals die Nation so sehr in Atem gehalten wie im Fall des wochenlang vor Poel gestrandetes Buckelwals. Bei allem Wirbel um das oft Timmy oder auch Hope genannte Tier gerät vielfach aus dem Blick, wie es allgemein um Wale steht - mit dem Menschen als klarem Hauptverursacher ihrer Probleme. Ein Überblick zu ikonischen Großwal-Arten wie Finn- und Buckelwal:
Wie geht es den Walen?
Großwale wurden lange zu kommerziellen Zwecken gejagt und dadurch stark dezimiert, bis dies in den 80er Jahren verboten wurde. Das sogenannte Walfang-Moratorium, das 1986 in Kraft trat, sorgte der Naturschutzorganisation WWF zufolge dafür, dass der kommerzielle Walfang zum Erliegen kam – zumindest kurzfristig.
Bianca König von der Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) erklärt: "Im industriellen Walfang sind rund drei Millionen Großwale getötet worden. Die erholen sich nicht von heute auf morgen. Im Großen und Ganzen liegen wir immer noch unter den Zahlen von vor dem industriellen Walfang." Allerdings ist das Wissen darüber lückenhaft.
Wieso weiß man so wenig darüber, wie viele Wale es genau gibt?
Der Meeresbiologe Boris Culik, früher beim Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel, erklärt, Wale würden üblicherweise von Schiffen oder Flugzeugen aus gezählt. "Man sieht nur einen kleinen Teil und rechnet das dann hoch. Entsprechend groß ist die Grauzone." Es sei daher sehr schwierig nachzuweisen, ob sich Wal-Populationen tatsächlich erholen. Zwar gebe es keinen Walfang mehr, aber dafür mehr Überfischung.
Einen groben Überblick bieten die Zahlen der International Whaling Commission (IWC), die für die verschiedenen Arten für ihre einzelnen Verbreitungsgebiete Schätzungen abgibt:
Für Buckelwale hält die IWC für die meisten Regionen im Nordatlantik eine positive Tendenz fest. Allerdings sei unklar, ob dies auf ein Wachstum der Populationen zurückzuführen ist oder darauf, dass sich die Bestände verlagern.
Die Zahl der Finnwale im Nordatlantik – zwischen dem Osten Grönlands und den Faröer-Inseln – erholte sich den Schätzungen zufolge deutlich: Ende der 80er Jahre soll es in der Region nur noch rund 14.800 Wale gegeben haben, 2015 dann rund 40.800.
Bei den Grönlandwalen zeigt sich ein gemischtes Bild: Während die Population in einigen Regionen wuchs, ging sie im Nordatlantik eher zurück.
Expertin König erklärt: "Wichtig ist zu verstehen, dass es bei der Beurteilung nicht auf die Art insgesamt ankommt, sondern vielmehr auf einzelne Populationen." So sei etwa der Finnwal per se nicht bedroht, einzelne Populationen aber schon, beispielsweise in den Gewässern vor Island oder Japan.
In Japan werden – ebenso wie in Norwegen und Island – der Tierschutzorganisation WWF zufolge trotz des Moratoriums noch immer Wale gejagt. Länder wie Japan hatten schon kurz nach dem Inkrafttreten die Aufhebung des Moratoriums gefordert.
Was bedroht die Wale – abgesehen von vereinzelter Jagd?
"Hauptbedrohung durch die Klimakrise sind steigende Meerestemperaturen, die sehr viel mit dem Ökosystem Meer machen", erklärt König. Dadurch änderten sich Lebensräume und Tiere müssten ihr Verhalten anpassen, was sie teils schwächer und anfälliger für Krankheiten oder andere Probleme mache. So fräßen Buckelwale in kälterem Wasser und wechselten zur Paarung in wärmere Gewässer. Narwale in der Arktis hätten quasi integrierte Landkarten und orientierten sich sehr an der Form der Eisschilde. Wenn diese abschmelzen, gerieten die Tiere teils in Sackgassen oder machten Umwege, dabei verbrauchten sie mehr Energie.
Abgesehen davon mache Müll den Tieren zu schaffen, so die Expertin. "Wale und Delfine können nicht gut unterscheiden, was Nahrung und was Müll ist." Wenn neben Fischen auch Plastik in ihr Maul und später in ihren Magen gelange, verstopfe der Magen und die Tiere "verhungern bei lebendigem Leib". Hinzu kämen Geisternetze und andere entsorgte Fischereiausrüstung. Daneben seien Kollisionen mit Schiffen ein Risikofaktor, vor allem für Walmütter und ihre Jungtiere, die eher nahe der Oberfläche schwimmen.
Stranden Wale wegen dieser Faktoren häufiger?
König betont, dass es vor allem die menschengemachten Faktoren sind, die dazu führen, dass Wale stranden.
Walforscher Culk sagt, bei anwachsenden Populationen sei zu erwarten, dass öfter Irrgäste in Nord- oder Ostsee landen. Es sei nicht jeder Wal todgeweiht, der sich verirre. Es gebe es viele Fälle, bei denen Wale selbstständig wieder ins offene Meer zurückkehrten – etwa ein Finnwal Anfang des Jahres sowie kürzlich ein Belugawal, beide zeitweise in der Flensburger Förde.
In anderen Ländern kämen Strandungen deutlich häufiger vor als in Deutschland – dort gebe es klare Strukturen und professionelle Teams für solche Fälle. Aus dem aktuellen Fall könne man in Deutschland fürs nächste Mal lernen.
Was haben Menschen früher bei Wal-Strandungen gemacht?
Der Tierarzt Jan Herrmann, der sich seit Jahrzehnten mit Meeressäugern beschäftigt und einen Blog dazu betreibt, erklärt: "Wal-Strandungen waren schon immer ein Ereignis für Menschen: je größer der Wal, desto größer das Ereignis." Die Tiere seien gezielt genutzt worden. "Hauptsächlich ging es dabei immer ums Öl", erklärt Herrmann: Das Fett des Wals sei gezielt weiterverarbeitet worden, um daraus Öl zu gewinnen. Um den Verzehr des Fleisches sei es eher nebenher gegangen, womöglich, weil es sehr dunkel sei und streng rieche.
Eine Strandung sei früher ein Wirtschaftsfaktor gewesen, so der Wal-Experte. Auf Infoblättern sei mitunter gezielt darüber informiert worden, welcher Gewinn aus der Nutzung erzielt wurde. Wenn Tiere sich der Küste näherten, seien sie teils gezielt gejagt worden. "Da wurden also keine Versuche gemacht, sie zu retten."
Auf die aktuellen Versuche beim Buckelwal in der Ostsee blickt Herrmann eher skeptisch. Es gehe dabei weniger um den Tierschutz und "das langsame qualvolle Verenden von Walen, was wir vielfach in den Weltmeeren haben", meint er.
Was würde Walen helfen?
"Um eine globale Erholung der Wal-Populationen einzuleiten, braucht es eine flächendeckende "Renaturierung" der Ozeane. Es müssen dringend effektive Meeresschutzgebiete geschaffen werden, die auch kontrolliert und gemanagt werden, ähnlich wie Naturreservate an Land", erklärt König. Zudem müsste die Fischerei besser reguliert und die Verschmutzung der Meere durch Plastik und Chemikalien eingedämmt werden.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
Weitere aktuelle News im Ressort "Panorama":
NEUESTE BEITRÄGE
- 1
Fußball-WM: Klose telefonierte mit Messi: "War schon sehr bewegend"07.07.2026 - 2
Beim DFB-Auftaktspiel: Für Hitler-KI-Bild missbraucht: Betroffener Fan fassungslos18.06.2026 - 3
WTA Tennis in Linz Ergebnis: Cirstea / Zhang überwältigt Stephens / Volynets07.04.2026 - 4
Capital Bra: Rapper entsetzt mit Rettungswagen-Livestream - Fans in großer Sorge20.04.2026 - 5
Tennis News: Zverev enttäuscht in Rom: Aus im Achtelfinale12.05.2026 - 6
Essen: Ehefrau getötet: Richter verhängen lebenslange Haft18.06.2026 - 7
Hamburg: Mehrere Hinweise nach möglicher Sabotage bei Ironman-EM09.06.2026 - 8
Kanada - Katar bei WM 2026: Das WM-Spiel am 19.06.2026 im kostenlosen Stream12.06.2026 - 9
Champions League: Real reagiert trotzig - Rüdiger: "Sind noch am Leben"08.04.2026 - 10
Paris Open Liveticker: Halys/Pierre-Hugues gegen Harrison/Skupski30.05.2026 - 11
ATP Tennis in Indian Wells Liveticker: Gael Monfils gegen Alexis Galarneau05.03.2026 - 12
Heidi Klum: Tom sagt Heidi ab - diese Trennung kommt unerwartet30.09.2026 - 13
TSG 1899 Hoffenheim - Borussia Mönchengladbach im Live-Stream und TV: Die TSG bekommt es am 16. Spieltag mit Gladbach zutun11.01.2026 - 14
Formel 1 News: Antonelli verpasst trotz USA-Sieg vorzeitige WM-Krönung25.10.2026 - 15
Wimbledon: Jasmine Paolini dominizert Marta Kostyuk08.07.2026
Ähnliche Artikel
Minnesota Timberwolves vs. LA Clippers heute live: NBA-Liveticker & Spielstand31.10.2026
Dallas Mavericks vs. Houston Rockets heute live: NBA-Liveticker & Spielstand31.10.2026
Miami Heat vs. Indiana Pacers heute live: NBA-Liveticker & Spielstand31.10.2026
Prudential Hong Kong Tennis Open Live: Spielplan des Tages - Alle Matches im Ticker31.10.2026
Chennai Open Live: Spielplan des Tages - Alle Matches im Ticker31.10.2026
Unfall: Acht Verletzte auf A5 - großes Trümmerfeld31.10.2026
Toronto Raptors vs. Orlando Magic heute live: NBA-Liveticker & Spielstand31.10.2026
Philadelphia 76ers vs. New York Knicks heute live: NBA-Liveticker & Spielstand31.10.2026
Brooklyn Nets vs. Detroit Pistons heute live: NBA-Liveticker & Spielstand31.10.2026
Boston Celtics vs. Chicago Bulls heute live: NBA-Liveticker & Spielstand31.10.2026
Frankreich: Bardots Witwer streitet mit Stiftung um Haus und Nachlass31.10.2026
Fußball News: Fünfmal Gelb in MLS: Warum Messi dennoch nicht gesperrt wird31.10.2026
Washington Wizards vs. Charlotte Hornets heute live: NBA-Liveticker & Spielstand31.10.2026
Formel 1 News: Formel-1-Krönung rückt näher: Antonelli im Trainingssoll31.10.2026
Hagen vs. RASTA: Team von Christian Held feiert Auswärtssieg30.10.2026
Fußball News: Argentinien-Torwart Martínez: Finger sah aus "wie Blutwurst"30.10.2026
Fußball News: Exaktes Ballon-d'Or-Ergebnis: So knapp lag Kane vor Mbappé30.10.2026
SV 07 Elversberg vs. FSV Mainz 05: Cole Campbell lässt nichts mehr anbrennen! Mainz fährt ohne Punkte gegen Elversberg nach Hause30.10.2026
DSC Arminia Bielefeld vs. Eintracht Braunschweig: Doppelpacker Grodowski! Braunschweig fährt ohne Punkte aus Bielefeld nach Hause30.10.2026
Fortuna Düsseldorf vs. SV Meppen: Nullnummer in Düsseldorf! Fortuna und Meppen teilen sich die Punkte30.10.2026












