
- Kirk Hammett rechnet mit moderner Popmusik ab
- Warum Taylor Swift und Metallica beide Musikgeschichte schreiben
- Pop und Metal: Muss es überhaupt einen Sieger geben?
Metallica-Gitarrist Kirk Hammett hat mit deutlichen Aussagen über die heutige Popmusik eine neue Debatte ausgelöst. Nachdem der Musiker zuletzt wegen eines umstrittenen T-Shirts mit Bezug auf Taylor Swift in die Kritik geraten war, legt er nun in einem Interview gegen das aktuelle Songwriting nach.
Metallica-Gitarrist Kirk Hammett kritisiert modernes Songwriting
Im Gespräch mit der "Irish Times" blickte Hammett auf seine Anfänge als Gitarrist zurück. Damals hätten sich Musiker ihre Lieblingssongs noch mühsam von Schallplatten heraushören müssen. Gerade dieser aufwendige Lernprozess habe Kreativität gefördert und vielen Gitarristen geholfen, einen eigenen Stil zu entwickeln. Zwar beeindrucke ihn das hohe technische Niveau vieler junger Musiker heute, dennoch fehle ihm häufig die Qualität beim eigentlichen Songwriting. Sein Urteil fiel dabei unmissverständlich aus: "Songwriting und Popmusik sind Mist."
Der Metallica-Gitarrist ergänzte sogar: "Ich sage es noch einmal: M-I-S-T. Mist. Tut mir leid für alle Popfans." Seiner Ansicht nach sollten Musiker die heutigen Möglichkeiten des Internets nutzen, um originellere und kreativere Songs zu schreiben.
Zusammenhang mit Taylor-Swift-Aufregung sorgt für Diskussionen
Die Aussagen erhalten zusätzliche Aufmerksamkeit, weil Hammett erst wenige Tage zuvor mit einem T-Shirt für Schlagzeilen gesorgt hatte. Bei einem Metallica-Konzert in Budapest trug er ein Shirt mit der Aufschrift "Taylor Swift Is a CIA Psyop". Ob das Motiv satirisch gemeint war, blieb offen. In sozialen Netzwerken sehen einige Fans nun einen Zusammenhang zwischen dem provokanten T-Shirt und Hammetts Kritik an moderner Popmusik. Andere halten seine Aussagen dagegen für eine allgemeine Kritik an aktuellen musikalischen Entwicklungen und nicht speziell an Taylor Swift.
Bühnensturz löst weitere Reaktionen aus
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte laut "Rolling Stone" wenig später ein Zwischenfall bei einem Metallica-Konzert in Dublin. Während der Performance des Klassikers "Seek & Destroy" stürzte Hammett von der Bühne. Verletzt wurde er nach bisherigen Informationen nicht. In den sozialen Medien reagierten einige Taylor-Swift-Fans mit spöttischen Kommentaren und bezeichneten den Vorfall augenzwinkernd als "Karma".
Kirk Hammett und der Friedhof der Vorurteile
Weder ist Pop pauschal "Mist", noch macht ein verzerrtes Gitarrenriff automatisch große Kunst. Geschmack bleibt Geschmack. Leider ist das die langweiligste Wahrheit in einer Welt, die lieber Glaubenskriege führt. Popmusik hat nie den Anspruch gehabt, möglichst kompliziert zu sein. Sie will im Ohr bleiben, Millionen Menschen erreichen und Emotionen transportieren. Dass viele Songs eingängige Melodien und klare Refrains besitzen, ist keine Schwäche, sondern das erklärte Konzept.
Wenn Kirk Hammett darin nur Massenware erkennt, übersieht er, dass Einfachheit oft schwerer zu erschaffen ist als technische Virtuosität. Die Geschichte der Musik ist voller Künstler, die tausend Noten spielen konnten, aber keinen einzigen Song schrieben, den sich jemand freiwillig ein zweites Mal anhörte.
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Taylor Swift ist kein Betriebsunfall der Musikgeschichte
Nehmen wir ausgerechnet die Künstlerin, die für Kirk Hammett zum "personifizierten Feindbild" geworden ist: Taylor Swift.
Sie wurde 2024 und 2025 von der International Federation of the Phonographic Industry (IFPI) zur weltweit erfolgreichsten Künstlerin des Jahres gekürt. Ihre "Eras Tour" spielte mehr als 2,07 Milliarden US-Dollar ein und gilt laut Guinness World Records als erfolgreichste Konzerttournee aller Zeiten. Mit nur 36 Jahren wurde Swift außerdem als jüngste Frau in die Songwriters Hall of Fame aufgenommen. Die Jury lobte ihre Fähigkeit, sich als Songwriterin ständig weiterzuentwickeln und unterschiedliche musikalische Welten zu erschließen. Das wirkt zumindest nicht wie die Vita einer Musikerin, die versehentlich über einen TikTok-Algorithmus gestolpert ist.
Auch Metallica muss sich vor niemandem verstecken
Natürlich gilt das Gleiche für Metallica.
Über 125 Millionen verkaufte Alben sprechen eine ziemlich eindeutige Sprache. Das legendäre "Black Album" gehört "Louder" zufolge mit mehr als 30 Millionen verkauften Exemplaren zu den erfolgreichsten Alben der Musikgeschichte. Seit 2009 steht die Band zudem in der Rock and Roll Hall of Fame und hat den Metal geprägt wie kaum eine andere Formation.
Metallica bleibt die erfolgreichste Metalband aller Zeiten.
Nur bedeutet das eben nicht automatisch, dass alles außerhalb des eigenen Genres minderwertig ist.
Der Endgegner heißt Realität
Hier wird die Geschichte unbequem.
Denn während Metallica ihr Genre dominiert, ist Taylor Swift heute die kommerziell erfolgreichere Künstlerin. Sie erzielt höhere Streamingzahlen, führt regelmäßig die weltweiten Charts an, wurde mehrfach als meistverkaufte Musikerin der Welt ausgezeichnet und hat mit ihrer Tournee einen Rekord aufgestellt, den vermutlich nicht einmal die Inflation einholen kann. Das mag manchen Gitarrenpuristen wie Kirk Hammett schmerzen. Zahlen haben allerdings die unangenehme Eigenschaft, sich nicht für Genregrenzen zu interessieren.
Vorsicht vor den Swifties
Vielleicht wollte Kirk Hammett einfach provozieren. Vielleicht war seine Aussage auch gar nicht als Kriegserklärung gedacht. Falls doch, hätte er sich einen einfacheren Gegner aussuchen können. Mit Taylor Swift legt man sich nicht nur mit einer Sängerin an. Man legt sich mit einer der engagiertesten Fangemeinschaften der Popgeschichte an. Die Swifties diskutieren nicht, sie archivieren. Sie analysieren. Sie erinnern sich. Wahrscheinlich existiert bereits irgendwo eine Excel-Tabelle mit sämtlichen Hammett-Zitaten der vergangenen 24 Stunden.
Und dann gibt es da eben noch dieses rätselhafte Phänomen namens Karma. Es taucht meist dann auf, wenn man glaubt, ein ganzes Genre mit einem einzigen Satz beerdigt zu haben.
Ist Pop also "Mist"?
Pop gegen Metal ist ein Streit, der sich ungefähr so sinnvoll führen lässt wie die Frage, ob ein Hammer besser ist als ein Pinsel. Beide erfüllen eben unterschiedliche Aufgaben.
ABBA, Michael Jackson, Kate Bush, Madonna, Billie Eilish oder Taylor Swift haben die Popmusik auf ihre Weise geprägt. Metallica hat den Metal revolutioniert. Keines davon wird kleiner, weil das andere existiert.
Musik ist kein Wettkampf. Wer sie dennoch dazu macht, verwechselt Kunst mit einem Tabellenplatz. Am Ende entscheiden ohnehin nicht Gitarrenhelden oder Popstars, sondern die Menschen, die auf "Play" drücken.
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