
Die Trommelschläge bereiten Martin Ödegaard sichtlich Freude. Der 27-Jährige gibt bei den Norwegern nicht nur im Spiel den Takt vor, sondern auch beim schon legendären Jubel-Ruder-Ritual. Genau wie Torjäger Erling Haaland ist Ödegaard eines der prägenden Gesichter des Nationalteams, das bei der Fußball-WM gerade so viele Sympathien sammelt. Doch hinter ihm liegen auch finstere Tage: Ödegaards Geschichte ist die eines Wunderkinds, das einst krachend scheiterte. Und sie hat auch mit Brasiliens Trainer zu tun.
"Wir kommen", sagte Norwegens Coach Stale Solbakken nach dem Einzug ins Achtelfinale und wandte sich in dem kurzen Video aus der Kabine direkt an Carlo Ancelotti, den Trainer des Rekordweltmeisters. Eine kleine Kampfansage vor dem Duell mit den Brasilianern am Sonntag (22.00 Uhr/MagentaTV) in East Rutherford. Aber eine mit Augenzwinkern. Norwegen gegen Brasilien: Es dürfte spannend werden. Und Ödegaard dabei eine zentrale Rolle einnehmen.
Mit 15 Jahren schon Nationalspieler
Der in Drammen bei Oslo geborene Mittelfeldspieler galt mal als so etwas wie ein Jahrhundert-Talent, als eine Art "nordischer Messi". Haakon Gröttland, Leiter Spielentwicklung bei Norwegens Fußballverband, sagte dem Magazin "11 Freunde" die schönen Sätze: "Ich hatte das große Glück, derjenige zu sein, der ihn entdeckte. Wobei das nicht schwer war, meine Mutter hätte ihn entdeckt."
Im zarten Alter von 15 Jahren debütierte Ödegaard in der ersten norwegischen Liga und im A-Nationalteam. Topclubs aus halb Europa waren scharf auf den Hochbegabten, der sich letztlich für Real Madrid entschied. Gerade mal 16 Jahre und fünf Monate war Ödegaard alt, als er im Mai 2015 seine Premiere in der spanischen Liga feierte. Trainer bei den "Königlichen" damals: Ancelotti.
Doch was der Beginn von etwas Großem werden sollte, war eher der Anfang vom Ende - zumindest in Madrid. Ödegaard und Real fanden nie wirklich zusammen. Das Toptalent wurde verliehen und verliehen und verliehen: an den SC Heerenveen, Vitesse Arnheim, an Real Sociedad. Und an den FC Arsenal.
Dass die Londoner ihn 2021 fest verpflichteten, war der große positive Wendepunkt für Ödegaard. Bei Real hatten sie ihm zuvor endgültig die Tür vor der Nase zugehauen. Trainer bei den "Königlichen" damals: wieder Ancelotti.
Kapitän, Stratege und "X-Faktor"
Nun treffen sich Ödegaard und der langjährige Starcoach also auf der größten aller Bühnen - in der K.o.-Phase der WM - wieder. Und aus dem einstigen Wunderkind ist doch noch ein absoluter Topspieler geworden, ein echter Anführer sogar. Er habe diesen "X-Faktor", um Spiele zu entscheiden, sagen seine Mitspieler über ihren Kapitän und Chefstrategen.
Wie weit führt Ödegaard sein Team bei diesem Turnier wohl - und was geht gegen Brasilien? Bei Norwegens letzter WM-Teilnahme 1998 hatten die Nordmänner die Südamerikaner in der Gruppenphase überraschend mit 2:1 besiegt. Von diesem Coup vor 28 Jahren habe er Aufnahmen gesehen und Geschichten gehört, berichtete Ödegaard. "Jetzt schreiben wir unsere eigene Geschichte, und es ist fantastisch, ein Teil davon zu sein."
Darauf angesprochen, ob sein Team sogar den Titel holen könne, meinte er schließlich: "Wir werden weiter träumen und weiter daran glauben."
Fitness-Diskussion in der Heimat
Zu Beginn der WM war in der Heimat noch eine flammende Diskussion darüber ausgebrochen, wie fit Ödegaard sei und wie sehr er dem Team wirklich helfen könne. Mit Arsenal wurde er jüngst zwar englischer Meister und erreichte das Champions-League-Finale, er fiel aber eben auch häufig verletzt aus. Inzwischen scheinen die Norweger wieder überzeugt von ihrem Mittelfeld-Star. Getroffen hat er bei diesem Turnier noch nicht - aber drei Tore vorbereitet.
Nun also das Duell mit der Seleção. "Es gibt nicht viel, das größer ist, als mit der Nationalmannschaft auf Brasilien zu treffen", sagte Ödegaard, der in seiner Karriere schon so viel erlebt und weggesteckt hat. Doch das einst gescheiterte Wunderkind schlägt zurück. Und nach dem Achtelfinale wieder die Trommel?
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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