
Wieder stand Joshua Kimmich in den Katakomben eines WM-Stadions - und sollte das auch für ihn erneut Unerklärliche erklären. Und doch war es bei seiner dritten WM, die wieder im sportlichen Desaster endete, anders als noch vor vier Jahren im Al-Bayt-Stadion in der Wüste Katars.
Damals sprach der Anführer einer vermeintlich goldenen Fußball-Generation vom "schwersten Tag" seiner Karriere und befürchtete, er könne mental "in ein Loch" fallen. Wer damals dabeistand und zuhörte, sorgte sich um Kimmich.
"Schlimm" fühlte sich der 31-Jährige auch vier Jahre später im Football-Stadion der New England Patriots in Foxborough, als er sich wieder den bohrenden Reporter-Fragen stellte.
"Ich werde immer die Power haben für einen neuen Anlauf"
Aber der Kapitän tat es mit durchgedrücktem Kreuz, reif und schonungslos in der Analyse. Und auch in eigener Sache traf er nach seinem 114. Länderspiel eine klare Aussage: Das war's noch nicht! "Ich werde immer die Power haben für einen neuen Anlauf. Was ich niemals tun werde, ist: Aufgeben!"
In einem längeren Monolog ließ der ehrgeizige Profi, der mit dem FC Bayern das Gewinnen gewohnt ist und eine reichhaltige Titelsammlung vorweisen kann, tief in sein Inneres blicken. "Als Kind, wenn man die Nationalmannschaft geguckt hat, war bei Turnieren immer Halbfinale, Finale, Weltmeister. Es waren immer große Erfolge. Das hat einen auch sehr geprägt, da mitzufiebern."
Das sei etwas, "was man auch den Kindern und Menschen zu Hause geben und bieten möchte", fuhr er fort: "Und wir haben es wieder nicht geschafft, eine Euphorie zu entfachen und eine Mannschaft auf dem Feld zu sein, mit der sich die Menschen identifizieren können." Der Kapitän entschuldigt sich beim Volk.
Russland 2018, Katar 2022, Amerika 2026 - keinmal schaffte es Kimmich mit unterschiedlichen Teambesetzungen ins Achtelfinale unter die besten 16. "In den acht Jahren wächst man in seiner Rolle, seiner Verantwortung. Deshalb ist es nochmal bedeutender, als Kapitän auszuscheiden, weil man eine große Verantwortung für die Gruppe trägt. Die Verantwortung fühle ich", sagte der Anführer. Er haderte nicht, er flennte nicht, er sprach mit fester Stimme.
Keine Ausreden: "Wir haben es verbockt"
Und es folgte ein Satz, der zum Lesen zwischen den Zeilen animierte: "Die sollten wir alle fühlen, die auf dem Platz standen und nicht die Schuld bei einem anderen suchen. Wir haben es verbockt."
Kimmich ehrte, dass er keine Ausreden bemühte nach dem Ausscheiden, nicht das aberkannte 2:1 von Jonathan Tah anprangerte, nicht fehlendes Glück beim mit 3:4 verlorenen Elfmeterschießen. "Wir sollten den Anspruch haben - und die Qualität -, dass wir Gegner wie Paraguay schlagen können. Es darf auch keiner auf die Idee kommen, den Schiedsrichter verantwortlich zu machen oder das Elfmeterschießen. Wenn du es über 120 Minuten nicht schaffst, gegen so einen Gegner zu gewinnen, darfst du von Glück nicht abhängig sein."
Er entschied auf Selbstanklage. "Wenn man die vier Spiele übereinanderlegt, haben wir gegen keinen Top-Gegner gespielt. Wir hatten dreimal Probleme gegen keine Weltklasse-Teams, das ist Fakt." Auch er hat kein gutes Turnier gespielt. Aber er hat sich wieder in den Dienst der Mannschaft gestellt, die vom Bundestrainer zugewiesene Rolle als Rechtsverteidiger angenommen. Obwohl sich im letzten WM-Spiel nach Julian Nagelsmanns Umstellung in der Endphase zeigte, wo der Kapitän von Anfang hingehört hätte: ins zentrale Mittelfeld.
Neuers Fazit: Ich habe alles gegeben
Auch für Manuel Neuer war es die dritte Frust-WM nacheinander. Aber der 40-Jährige, dessen viel diskutiertes DFB-Comeback nach zwei Jahren abrupt endete, als er gerade drauf und dran schien, womöglich doch noch ein Erfolgs-Faktor werden zu können, hat im Gegensatz zu Kimmich auch zwei tolle WM-Turniere erlebt. Kimmich ist ein Unvollendeter, Neuer aber ist 2014 Weltmeister geworden. "Ich habe alles gegeben", resümierte der ewige Neuer.
Als er Elfmeter Nummer zehn von Fabian Balbuena parieren konnte, blitzte für einen Moment die "Aura" auf, die ihm immer wieder zugeschrieben worden war und auf die alle so lange warten mussten. Kurz darauf war es vorbei. Nach 128 Länderspielen war's das jetzt dann wohl endgültig für den WM-Rekordtorhüter.
"Enttäuschend ist das richtige Wort", sagte Neuer zu seiner Gemütslage. "Jeder ist traurig. Jeder muss mit der Situation klarkommen." Auch er.
Auch sein Fazit fiel eindeutig aus. "Wir hatten nicht den Punch. Du musst so eine Mannschaft schlagen. Das ist Fakt, wenn du dich messen willst mit Mannschaften wie Frankreich", sagte Neuer. Das war sein Ziel, dieses doch programmierte Achtelfinale. "Es ist extrem bitter, so aufzuhören." Das galt für den früheren Kapitän Neuer - aber auch für den aktuellen Kapitän Kimmich.
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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