
Mehr als 95 Prozent der Clubs streben beim Aufstiegsmodus in die 3. Fußball-Liga eine Veränderung an. Doch auf eine gemeinsame Lösung können sie sich nicht einigen. Die monatelang durch eine Expertengruppe vorbereitete Abstimmung ging ohne einstimmiges Ergebnis aus. Was vorerst bleibt, ist Misstrauen, Ärger und der nächste Anlauf im zähen Ringen um eine Lösung des Problems.
"Wir haben ein deutliches Votum, trotz der Taschenspieler-Tricks. Jeder Politiker würde sich freuen, wenn er mehr als 50 Prozent Zustimmung hätte", sagte Tommy Haeder, Sprecher der Initiative "Aufstiegsreform 2025 - Meister müssen aufsteigen", der Deutschen Presse-Agentur. Bei der Abstimmung innerhalb der fünf Regionalverbände gab es insgesamt 50,9 Prozent für das sogenannte Kompass-Modell. "Das ist ein klarer Auftrag", betonte Haeder. Für eine Umsetzung durch den Deutschen Fußball-Bund reicht das Ergebnis freilich nicht.
Anstoß der Reform ist der Umstand, dass nicht alle fünf Regionalliga-Meister automatisch aufsteigen. Denn in der 3. Liga gibt es nur vier Absteiger. Die Meister der Regionalliga West und Südwest steigen direkt auf, die beiden übrigen Aufstiegsplätze verteilen sich auf die Regionalligen Nord, Nordost und Bayern. Ein Meister aus Nord, Nordost und Bayern steigt nach einem jährlichen Rotationssystem direkt auf, den vierten Startplatz spielen die beiden übrigen Meister in Aufstiegsplayoffs mit Hin- und Rückspiel aus. So hatte Lok Leipzig jüngst zum dritten Mal als Meister der Nordost-Staffel den Aufstieg in Liga 3 verpasst.
Um welche Modelle ging es bei der Abstimmung?
Zur Abstimmung standen zwei Modelle. Beim Kompass-Modell sollen die vier Staffeln in jeder Saison neu aus allen Regionalligisten anhand der Entfernungen gebildet werden. Kurzfristig wurde bei diesem Modell die Anzahl der Clubs von 20 auf 18 reduziert - das verärgerte viele Vereine.
Das zweite Modell nennt sich Regionen-Modell. Hier sollen aus den Regionalligen Nord, Nordost und Bayern zwei Staffeln gebildet werden. Die Regionalligen West und Südwest würden in ihrer jetzigen Form bestehen bleiben.
Wie wurde abgestimmt?
Es gab fünf getrennte Abstimmungen. Im Südwesten sprachen sich die Vereine mehrheitlich für das Regionen-Modell (93,1 Prozent) aus. Im Westen (60,9 Prozent), Norden (61,5 Prozent) und Nordosten (76,3 Prozent) favorisierten die Clubs das Kompass-Modell. In Bayern votierten die Abstimmenden mehrheitlich (52,4 Prozent) für die Ausarbeitung neuer Modelle. Allerdings stimmten sie auch mit 45,2 Prozent für das Kompass-Modell.
"Auch wenn es keine bundesweite Lösung gegeben hat, werden wir uns in den kommendenWochen erneut dafür starkmachen, dass ein gerechtes Modell gefunden wird, welchesAufstiegsspiele zur 3. Liga überflüssig macht", sagte Vizepräsident Uwe Döring vom Norddeutschen Fußball-Verband.
Die Nordstaffel stimmte als einziger Verband online ab. Die anderen vier Verbände stimmten mit ihren Vereinen aus der 3. Liga sowie den Regional- und Oberligen in Präsenz ab. Die Abstimmung erfolgte zeitgleich organisiert durch die fünf Träger der Regionalligen West, Südwest, Bayern, Nord und Nordost.
Warum boykottierten einige Clubs die Abstimmung?
Einige Vereine hatten die Abstimmung schon im Vorfeld boykottiert. Damit wollten sie ihren Unmut über kurzfristige Änderungen zum Ausdruck bringen. Denn vor der entscheidenden Abstimmung am Montag hatte es einen Eingriff in den Prozess gegeben.
Das von vielen Clubs favorisierte Kompass-Modell wurde mit den verschickten Wahlunterlagen vier Tage vor Abstimmungstermin kurzfristig verändert. Statt der ursprünglich vorgesehenen 20er-Staffeln sollten es nun nur noch 18 Teams sein.
"Wenn diese Grundlagen kurz vor der Abstimmung verändert werden, wird aus Reformpolitik ein Machtspiel - und genau das machen wir nicht mit", teilte Hansa Rostock mit und boykottierte als einer der ersten Clubs die Abstimmung. Die Clubs wiesen - außer im Südwesten - die kurzfristigen Veränderungen mehrheitlich zurück. Sie stimmten also für vier 20er-Staffeln und gegen Ligen mit jeweils nur 18 Teams.
Was sagen die Bayern dazu?
Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) widersprach der Darstellung anderer Verbände, dass es eine kurzfristige Änderung der Parameter gegeben habe. "Die Frage, wie viele Mannschaften – 18 oder 20 – beim Kompassmodell in den vier Ligen spielen würden, hatte die beim DFB angesiedelte Arbeitsgruppe in ihrem Abschlussbericht vom 31. März 2026 offengelassen und diese Entscheidung ausdrücklich den künftigen Regionalliga-Trägern übertragen", hieß es am Dienstag in einer Mitteilung des Verbandes. Der BFV spricht von einem gemeinsamen Auftrag aus der AG.
Wie kommentieren die Fans die Abstimmung?
Nach Änderung der Eckdaten übten auch viele Ultras Druck auf die Verbände und Vereine aus. Die Fanszene "The Unity" von Borussia Dortmund veröffentlichte ein Schreiben mit dem Titel: "Eure Spielchen mit Reformen - nicht mit uns." Darin hieß es: "Nicht nur kritischen Fans wird jetzt endgültig klar, dass die Verbände nicht im Sinne ihrer Mitgliedsvereine agieren, sondern ganz eigene Ziele verfolgen. Was FIFA und Co. auf der großen Bühne vormachen, spielen die Regionalverbände nach."
Wie geht es jetzt weiter?
Der DFB wird die Ergebnisse zeitnah mit den Regionalverbänden erörtern, um gemeinsam den weiteren Fortgang zu definieren. Eine Umsetzung der Reform zur Saison 2028/2029 wäre nur dann zum Tragen gekommen, wenn sich die Vereine aller fünf Regionen in ihren Abstimmungen für ein- und dasselbe Modell entschieden hätten.
"Dass es sowohl in ganz Deutschland als auch bei uns in Bayern nicht das eine Modell für die Lösung gibt, überrascht nicht. Das war genau so zu erwarten", sagte Präsident Christoph Kern vom Bayerischen Fußball-Verband, der nun wieder mit anderen Vorschlägen kommt - "eine 3. Liga mit 22 Teams und fünf Absteigern oder das von uns vorgeschlagene Zwei-Phasen-Modell."
Dies sehe eine einfache Hinrunde in den bisherigen fünf Staffeln vor. Danach eine Aufteilung der jeweiligen Top-Teams in eine viergleisige Aufstiegsrunde mit Blick auf Entfernungen. Die Abstiegsrunden würden in den bisherigen fünf regionalen Strukturen ausgespielt.
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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