
Die Fußball-Bundesliga steuert heute im Abstiegskampf auf ein dramatisches Saisonfinale zu. Der VfL Wolfsburg, der 1. FC Heidenheim und der FC St. Pauli haben jeweils 26 Zähler auf dem Konto. Solch eine Konstellation hat es in der Bundesliga-Historie noch nie zuvor gegeben. Während St. Pauli (Torverhältnis: -29) und Wolfsburg (-26) im direkten Duell aufeinandertreffen, ist Heidenheim (-29) zu Hause gegen Mainz 05 gefordert. Irre letzte Spieltage im Abstiegskampf gab es aber schon häufiger.
1993/1994 - Freiburgs beeindruckender Schlussspurt
Nach dem 31. Spieltag schien die Situation für den SC Freiburg im Abstiegskampf schon fast aussichtslos mit vier Zählern Rückstand bei der damaligen Zwei-Punkte-Regelung. Dann gewannen die Breisgauer unter Trainer Volker Finke aber ihre letzten drei Partien gegen den VfB Stuttgart, den VfB Leipzig und den MSV Duisburg - und machten den Klassenverbleib doch noch perfekt.
Stattdessen musste der 1. FC Nürnberg wegen der schlechteren Tordifferenz den Gang in die 2. Liga antreten. Die "Clubberer" verloren beim Saisonfinale gegen Borussia Dortmund mit 1:4. Ein Punkt hätte zur Rettung gereicht.
1995/1996 - Brehmes Tränen an Völlers Schulter
Im Saisonfinale 1995/1996 kam es zu einem direkten Duell. Der 1. FC Kaiserslautern - Tabellen-16. mit 35 Punkten - war zu Gast bei Bayer Leverkusen, das mit nur zwei Zählern mehr auf dem Konto hätte absteigen können.
Nachdem der FCK in Führung gegangen war, gelang der Werkself in der Schlussphase noch der Treffer zum 1:1-Endstand. Brisant war dabei vor allem, dass die Roten Teufel vor dem Ausgleich den Ball wegen einer Verletzung von Lauterns Olaf Marschall ins Aus gespielt hatten. Die Leverkusener spielten den Ball aber nicht zurück - und trafen. Der erstmalige Abstieg der Pfälzer aus der Bundesliga war besiegelt.
In Erinnerung blieben vor allem die bitteren Tränen von Kaiserslauterns Andreas Brehme, der von Leverkusens Kapitän Rudi Völler getröstet werden musste. Beide waren 1990 gemeinsam Weltmeister geworden.
1998/1999 - Die legendärste aller Abstiegsentscheidungen
Es war das bislang dramatischste Abstiegsfinale der Bundesliga-Historie und bleibt für viele Fußball-Fans unvergessen. Vor dem letzten Spieltag am 29. Mai 1999 konnten noch fünf Teams absteigen: der 1. FC Nürnberg, der VfB Stuttgart, der SC Freiburg, Hansa Rostock und Eintracht Frankfurt. Die Nürnberger auf Platz 12 hatten die besten Aussichten, die Frankfurter auf Rang 16 die schlechtesten.
In den letzten 20 Minuten überschlugen sich die Ereignisse: Mal war die Eintracht auf dem 16. Platz, mal Hansa. Am Ende erwischte es Nürnberg trotz der besten Ausgangssituation. Den Ausschlag im Vergleich mit den Frankfurtern gaben die weniger geschossenen Tore der Franken.
Noch heute legendär ist die damalige Radiokonferenz der ARD mit den Kommentatoren Günther Koch bei der Partie Nürnberg gegen Freiburg (1:2), Dirk Schmitt bei Frankfurt gegen den 1. FC Kaiserslautern (5:1) und Manfred Breuckmann bei VfL Bochum gegen Rostock (2:3). Der letzte Spieltag der Saison 1998/1999 gilt als die Mutter aller Abstiegskampfe. Koch meldete sich in der Schlussphase mit den Worten: "Hier ist Nürnberg, wir melden uns vom Abgrund."
2012/2013 - Hoffenheims irres Comeback in Dortmund
Ein Comeback schaffte Hoffenheim in einem spektakulären letzten Spieltag in der Saison 2012/2013 beim damaligen Vizemeister Borussia Dortmund. Die Hoffenheimer lagen früh 0:1 zurück und wären damit abgestiegen gewesen. Dann bescherte der BVB den Kraichgauern zwei Elfmeter: Sejad Salihovic verwandelte beide. Einmal gegen Roman Weidenfeller und einmal gegen Kevin Großkreutz, nachdem Weidenfeller die Rote Karte gesehen hatte.
In der Schlussphase gelang den Dortmundern der vermeintliche Ausgleich. Wegen einer angeblichen Abseitsposition wurde das Tor aber nicht gegeben. Damit überholten die Hoffenheimer noch Fortuna Düsseldorf und schafften es als Drittletzter in die zur Saison 2008/2009 eingeführten Relegation. Dort behielt die TSG die Oberhand gegen den 1. FC Kaiserslautern.
2013/2014 - Ein Krimi um die Relegation
Die Einführung der Relegation wurde auch für den Hamburger SV, den 1. FC Nürnberg und Eintracht Braunschweig in der Spielzeit 2013/2014 zu einem möglichen Rettungsanker. Alle drei Clubs wären bei der alten Regelung mit drei festen Absteigern schon vor dem letzten Spieltag ohne Chance auf den Klassenverbleib gewesen.
So aber gab es Hoffnung. Weil aber der Tabellenletzte Braunschweig mit 1:3 bei der TSG Hoffenheim und der Vorletzte Nürnberg mit 1:4 beim FC Schalke 04 verloren, blieb der HSV trotz einer 2:3-Niederlage beim FSV Mainz 05 auf dem Relegationsrang. In der Relegation selbst hatte der HSV aufgrund der mehr geschossenen Auswärtstore gegen die SpVgg Greuther Fürth dann erneut das Glück auf seiner Seite.
2014/2015 - Sechs bibbernde Teams, zwei direkte Duelle
Vor dem letzten Spieltag der Saison 2014/2015 mussten gleich sechs Teams um den Klassenverbleib zittern: Hertha BSC, der SC Freiburg, Hannover 96, der VfB Stuttgart, der Hamburger SV und der SC Paderborn. Besonders brisant war, dass es zwischen Hannover und Freiburg sowie Paderborn und Stuttgart zwei direkte Duelle gab.
Ähnlich wie beim legendären Saisonfinale 1998/1999 wechselten ständig die Positionen und damit auch die Abstiegsszenarien. Am Ende erwischte es die Freiburger, die durch ein 1:2 bei Hannover noch vom 14. auf den 17. Platz abstürzten, und Paderborn mit einem 1:2 gegen den VfB.
2016/2017 - Waldschmidt wird zum Held von Hamburg
In der Saison 2016/2017 kam es zwischen dem Hamburger SV und dem VfL Wolfsburg quasi zu einem Endspiel um den direkten Klassenverbleib. Die Wölfe, denen ein Remis gereicht hätte, gingen durch Robin Knoche in Führung. Dann drehten Filip Kostic und Luca Waldschmidt die Partie zugunsten des HSV, der durch das 2:1 den Klassenverbleib sicher hatte.
Der VfL rettete sich später in der Relegation im Niedersachsen-Duell mit Eintracht Braunschweig. Auch in diesem Jahr könnte es zu einem Landesduell kommen, wenn Wolfsburg in der Bundesliga 16. und Hannover 96 eine Liga tiefer Dritter bleiben.
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+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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