
Erst der große Coup in Gelsenkirchen, nun eine kleine Bankfiliale nahe Bremen: Unbekannte drangen in der Mittagspause über einen Lichtschacht in den Keller einer Volksbank im niedersächsischen Stuhr ein und brachen 14 Schließfächer auf. "Zu den Inhalten können wir nichts sagen", meinte ein Sprecher der Polizei. "Weil wir auch nicht wissen, was die Bankkunden da platziert haben."
Die Bank müsse die Geschädigten zunächst fragen, wie hoch die Einlagen waren. Grundsätzlich halte man sich aber bedeckt: "Auch bei Tankstellenüberfällen sagen wir nie etwas über die Höhe", sagte der Sprecher. Die betroffenen Kundinnen und Kunden, die die 14 Schließfächer gemietet hätten, seien bereits informiert worden. Der Einbruch passierte am Freitag.
"Die Bank hat mit uns Kontakt aufgenommen und eine Hotline eingerichtet", sagte der Polizeisprecher. Bis zum Samstagnachmittag seien die Betroffenen angerufen worden. Am Montag sollten alle anderen Schließfachbesitzer kontaktiert werden. In der Filiale gibt es mehr als 700 Schließfächer.
Drei Männer in blauen Overalls flüchten
Bisher gebe es keine konkrete Spur von den Einbrechern. Nach Angaben der Ermittler drangen sie über einen Lichtschacht ein. Sie steuerten den Raum mit den Schließfächern von Privatkunden an und öffneten gewaltsam die Tür. Dort brachen sie 14 Fächer auf und verschwanden mit der Beute. Laut Zeugen könnte es sich um drei Täter handeln, sagte der Polizeisprecher. Sie sollen blaue Overalls getragen und vermutlich mit einem schwarzen Auto geflüchtet sein.
Nun sucht die Polizei nach Zeugen. "Wir haben schon Klinken geputzt und Nachbarn befragt", sagte der Sprecher am Sonntag. Der Aufruf richte sich auch an Anwohner, die Videokameras an ihren Häusern installiert hätten und möglicherweise Hinweise auf die Tat am Freitagmittag geben können.
Schmuckstücke von der Mutter
Von außen deutete am Tag danach nichts auf den Einbruch hin. Keine Polizei mehr, nicht mal ein Absperrband war zu sehen. Nur einige Kunden, die Geld abheben wollten. Ihm sei "beschissen" zumute, sagte Klaus Hriesik, der mit seiner Frau vor der verlassenen Filiale in der Kälte ausharrte. "Arg ist es schon, weil die Ersparnisse da drin sind, für den späten Lebensabend."
Seine Frau Irene Hriesik pflichtete ihm bei. "Es sind da auch Schmuckstücke drin", erzählte die Besitzerin eines Schließfachs. "Die bekomme ich ja nicht wieder. Das sind Teile von meiner Mutter oder von meiner Schwiegermutter, und das ist natürlich mehr als ärgerlich." Der Fall erinnere sie an Gelsenkirchen - nur dass sie es nie für möglich gehalten habe, einmal selbst betroffen zu sein.
Eine andere Kundin schüttelte den Kopf. "Ich bin eigentlich sauer", meinte die Frau. "Die Leute haben ihre Ersparnisse da. Das Vertrauen ist hin." Wie konnten die Täter in der Mittagspause über einen Schacht unbeobachtet in den Tresorraum eindringen? Sie verstehe nicht, warum die Bank ihr Sicherheitskonzept nach dem Einbruch in Gelsenkirchen nicht verschärft habe.
Wie die Täter vorgingen
Ende Dezember hatten sich Einbrecher in Gelsenkirchen von einer benachbarten Tiefgarage aus über mehrere Tage hinweg mit einem Spezialbohrer Zugang zu einem Tresorraum verschafft. Sie brachen mehr als 3.000 Schließfächer auf und flohen mit Geld, Schmuck und Wertgegenständen in Millionenhöhe. Auch in Wilhelmshaven hatten zwei Täter Ende Januar in einer Sparkassen-Filiale Schließfächer aufgebrochen.
In Stuhr sei nun alles ganz schnell gegangen, berichtete die Polizei. Die Täter nutzten die Mittagspause von 12 bis 14 Uhr. Laut Polizei brachen die Unbekannten über den Schacht ein. Sie seien zielgerichtet zu dem Raum mit den Schließfächern vorgedrungen, hätten gewaltsam die Tür geöffnet und einige Fächer leer geräumt.
Beißender Geruch und offene Türen
In dem Raum befinden sich laut Bank 718 Schließfächer - davon wurden 14 Fächer aufgebrochen und geplündert. "Alle anderen Fächer sind unversehrt", teilte die Bank mit.
Die Beamten vermuten, dass die Täter nicht genug Zeit für weitere Fächer hatten. Nach der Mittagspause sei eine Mitarbeiterin in den Keller gegangen. Sie habe einen "ganz beißenden Geruch" festgestellt, ihr sei sofort übel geworden.
Die Bank alarmierte die Einsatzkräfte. Die Feuerwehr rückte mit 87 Kräften aus, ein Trupp mit Chemieschutzanzügen und Atemschutz führte Messungen durch. Sie stellten eine unbekannte Flüssigkeit an Türen fest, eine Gefahr für die Gesundheit habe nicht bestanden.
Der Hausmeister stellte schließlich Einbruchspuren fest. Türen standen offen. Die unbekannte Flüssigkeit mit dem starken Geruch sei wahrscheinlich nur ein Ablenkungsmanöver gewesen, meinte der Polizeisprecher. Manche Täter wollen so die Arbeit der Beamten verzögern oder ihre Spuren verwischen.
Bank: Sicherheit wird regelmäßig geprüft
Die Bank wies Vorwürfe von sich. "Unsere Sicherheits- und Schutzvorkehrungen entsprechen den aktuellen, banküblichen Standards und werden regelmäßig überprüft", betonte eine Mitarbeiterin der Filiale. "Dazu zählen sowohl bauliche als auch organisatorische Maßnahmen." Am Montag soll der Betrieb in der Geschäftsstelle normal weitergehen.
Bankkunde Klaus Hriesik hat kein Verständnis. Es sei tragisch, dass die Bank nicht besser geschützt sei. "Am helllichten Tag mittags steigen die kleinen Gangster hier ein", sagt der Besitzer eines Schließfachs. "Das Ganze kann man nur als grob fahrlässig betrachten."
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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