
Die Deutsche Bahn rechnet für Montag derzeit nur mit kleineren Einschränkungen durch gefrierenden Regen. Es sei nicht davon auszugehen, dass es erneut so große Probleme wie am Freitag und Samstag geben könnte, sagte der Chef des für die Infrastruktur zuständigen Bahn-Unternehmens DB InfraGo, Philipp Nagl. Auch Blitzeis bedeute aber durchaus eine signifikante Gefahr - unter anderem durch das erhöhte Sturzrisiko für Reisende.
Gefrierender Regen kann dazu führen, dass sich auf Oberleitungen eine die Stromabnahme behindernde Eisschicht bildet. Weichen, Signale und Bahnübergänge können vereisen und dadurch blockieren oder Fehlfunktionen zeigen.
Größtes Problem waren Weichen und Übergänge
Weichen und Übergänge stellten auch die größte Herausforderung für den Bahnverkehr im Norden Deutschlands in den vergangenen Tagen dar, wie Nagl erklärte. Zwar seien rund 50.000 der bundesweit 70.000 Weichen mit Heizungen ausgestattet. Diese kämen aber gegen größere Verwehungen oder Eisbrocken nicht an, dann müsse von Hand geräumt werden - und das bei viel Wind wie am Freitag und Samstag immer wieder. An Bahnübergängen wiederum setzten sich durch die passierenden Fahrzeuge Schnee und Eis in den Gleisen fest und müssten ebenfalls per Hand entfernt werden.
Mehr spezielle Räumfahrzeuge wären also bei den Hauptherausforderungen der letzten Tage gar keine Hilfe gewesen, betonte Nagl. Ein Mangel an Räumgerät wird von Kritikern als ein Argument dafür genannt, dass die Deutsche Bahn bei winterlichen Verhältnissen schnell an Grenzen gerät.
Sofort Kritik an der Bahn
Auch aktuell wurden sofort erste kritische Stimmen laut. "Andere europäische Länder bekommen das besser hin, wenn es schneit oder kalt ist", sagte Christoph Ploß (CDU), Mitglied im Verkehrsausschuss des Bundestages, der "Rheinischen Post" (Montag). Es könne nicht sein, dass bei Winterwetter in Deutschland tagelang kaum Züge fahren.
Die Grünen forderten eine kritische Prüfung des Krisenmanagements der Bahn. Die Bahn schränke "heute den Bahnverkehr ein, wo dieser früher bei teils schwierigeren Wetterverhältnissen aufrechterhalten wurde", sagte Grünen-Bahnexperte Matthias Gastel der "Rheinischen Post". Dafür gebe es Gründe - nicht alle seien bei der Deutschen Bahn zu finden. Weichenheizungen zum Beispiel seien seitens des Bundes nur begrenzt zuschussfähig.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) sagte der "Rheinischen Post", die Bahn werde sicher analysieren, "wo es besonders gut Hand in Hand lief, und da, wo es etwas zu verbessern gibt, Abläufe weiter optimieren". Klar sei aber auch, dass bei solchen extremen Wetterlagen kein planbarer Normalbetrieb möglich sei und immer wieder neu reagiert werden müsse.
Nagl wies darauf hin, dass der Bahnverkehr in den Niederlanden über Tage und auch in Frankreich auf zahlreichen Strecken im Zuge des Wintersturms ausgefallen sei. So viel Schnee mit zugleich so starken Verwehungen habe es im Norden Deutschlands seit mindestens zehn Jahren nicht mehr gegeben.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an [email protected]. +++
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