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- Neues Buch zeigt angebliche Hitler-Aufzeichnungen
- Kein unabhängiges Gutachten zur Echtheit
- Erinnerungen an die gefälschten "Hitler-Tagebücher" werden wach
Ein neues Buch sorgt derzeit für Aufsehen in der Geschichtswelt und weckt gleichzeitig unangenehme Erinnerungen. Unter dem Titel "Das Konvolut – Hitlers geheime Aufzeichnungen" präsentiert der Thüringer Autor Olaf Haubold Fotos eines Notizbuchs mit 113 handschriftlich beschriebenen Seiten, die angeblich vom Nazi-Diktator stammen sollen.
Wie die "Bild" berichtet, legte ein Sammler für das Material stolze 30.000 Euro auf den Tisch. Haubold selbst bezeichnet die Authentizität der Aufzeichnungen als "sehr wahrscheinlich" – eine eindeutige Bestätigung liefert er jedoch nicht.
Das Problem: Ein unabhängiges Gutachten zur Echtheit existiert schlicht nicht. Zwar soll eine Untersuchung bestätigt haben, dass das verwendete Papier aus der entsprechenden Epoche stammt. Doch solange Experten Tinte, Bindung und Handschrift nicht überprüft haben, bleibt der Fund mehr rätselhaft als sensationell.
Geheimnisvoller Verkäufer mit angeblichen Stasi-Dokumenten
Die Geschichte hinter dem Notizbuch klingt wie aus einem Spionagethriller. Im Jahr 2009 wurde Haubold nach eigenen Angaben über einen Bekannten mit einem Mann zusammengebracht, der sich mysteriös gab und Material zum Verkauf anbot. In einer Mappe befanden sich neben dem Notizbuch auch Briefe und Fotos – alles angeblich aus der Hand des Diktators.
Der Verkäufer behauptete, die Dokumente stammten auf Umwegen aus Beständen der Stasi. Nachweise dafür legte er nicht vor. Für die Mappe verlangte er einen mittleren fünfstelligen Betrag. Haubold selbst war der Preis zu hoch. Er vermittelte das Geschäft an einen befreundeten Sammler, der schließlich 30.000 Euro bezahlte. Im Gegenzug sicherte sich Haubold die Rechte zur späteren Veröffentlichung. Sowohl der Sammler als auch der DDR-Schriftsteller Martin Stade, der bei der Auswertung half, sind mittlerweile verstorben.
Angebliches Hitler-Notizbuch enthält Dietrich-Schwärmerei
Die im Buch abgedruckten Notizen schwanken zwischen Banalität, Gehässigkeit und bizarrer Promi-Fantasie. Auf den ersten Seiten soll Hitler den desolaten Zustand der Reichskanzlei vor seinem Einzug beschrieben haben: vermoderte Decken, verfaulte Tapeten. Besonders das Badezimmer erregte demnach seinen Ekel.
Über Hermann Göring findet sich nach einer Geburtstagsfeier der wenig schmeichelhafte Eintrag: "Göring hat wieder gefressen wie ein Schwein." Noch kurioser wirken angebliche Schwärmereien für Marlene Dietrich, die Hitler nach Deutschland zurückholen wollte: "Eva hat keine Schangse gegen die Dietrich."
Gerade dieser auffällige Rechtschreibfehler wirft Fragen auf. Handelt es sich um einen authentischen Verschreiber oder um einen kalkulierten Trick eines Fälschers, um dem Material einen Anstrich von Glaubwürdigkeit zu verleihen?
Déjà-vu: Als der "Stern" auf gefälschte Hitler-Tagebücher hereinfiel
Die Parallelen zu einem der größten Medienskandale der deutschen Geschichte sind unübersehbar. In den 1980er Jahren präsentierte der "Stern" vermeintliche Hitler-Tagebücher als journalistische Sensation – bis sich herausstellte, dass Fälscher Konrad Kujau das gesamte Land und die Medienbranche vorgeführt hatte. Die Blamage lieferte später die Vorlage für den Film "Schtonk!".
Auch damals war die Herkunft der Dokumente nebulös, auch damals fehlten gründliche Expertisen. Der aktuelle Fall weist erschreckend ähnliche Muster auf: mysteriöse Quellen, unbelegte Behauptungen über die Herkunft und das Fehlen unabhängiger wissenschaftlicher Prüfungen.
Ob das Notizbuch echt ist oder "erschtonkt" – ohne forensische Untersuchung von Papier, Tinte, Bindung und Handschrift durch unabhängige Fachleute wird diese Frage unbeantwortet bleiben.
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